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Akute unspezifische Schmerzen des unteren Rückens

16. März 2025
Akute unspezifische Schmerzen des unteren Rückens

Grundlegende Informationen

Etwa ein Viertel aller Deutschen suchen im Laufe ihres Lebens medizinische Hilfe aufgrund von Schmerzen des unteren Rückens auf. So ist es nicht verwunderlich das Rückenschmerzen die häufigste Indikation für medizinische Reha bilden. In den meisten Fällen sind diese Rückenschmerzen unspezifisch (90-95%). Ihnen liegen keine Schäden an der Wirbelsäule oder gefährliche Ursachen zugrunde.


Diagnostik des Rückenschmerzes

Leidet ein Patient unter akuten Rückenschmerzen, stellt sich zunächst die Frage einer

adäquaten Untersuchung und Diagnostik. Diese darf und soll in den meisten Fällen tatsächlich relativ sporadisch sein. Liegen keine Anzeichen für eine gefährliche Ursache der Probleme vor (z.B. Krebserkrankungen, Wirbelkörperfrakturen oder ähnliches), wird von weiteren ausschweifenden Untersuchungen abgeraten. Abgeklärt werden mögliche gefährliche Ursachen mittels so genannter „Red Flags“, gezielten Fragen während der Anamnese eines Patienten. 


Mehr Untersuchung bedeutet nicht immer mehr Erfolg in der Behandlung

Tatsächliche Pathologien der Wirbelsäule sind nur in den seltensten Fällen (5-10%)

verantwortlich für Schmerzen im unteren Rücken. Das bedeutet, dass nach dem Ausschluss

einer gefährlichen Ursache keine bildgebenden Verfahren wie Röntgen oder MRT notwendig

sind. Dennoch finden genau solche Folgeuntersuchungen häufig statt, oft auch weil Patienten

spezifisch danach Fragen, in der Hoffnung eine genaue Abklärung der Ursache führe zu einer

besseren Behandlung und somit zu besseren Ergebnissen.


Doch das Gegenteil ist der Fall: Die Durchführung bildgebender Verfahren ohne die gegebene

Notwendigkeit kann dafür sorgen, dass Patienten sich vermehrt auf ihr Problem fixieren und

so eine Verschlimmerung der Problematik herbeiführen und im Zweifel eine Chronifizierung

begünstigen. Selbst ein positiver Befund nach Röntgen und MRT bringt nicht immer mehr

Klarheit über die Ursache von Rückenschmerzen. So finden sich beispielsweise bei vielen

Personen Veränderungen und Degenerationen der Bandscheiben, ohne dass diese etwaige

Symptome verspüren.


Patienten können und sollten sich in den meisten Fällen also mögliche Mehrkosten sparen und müssen sich außerdem keiner Röntgenstrahlung aussetzen. Die Vermeidung unnötiger

Untersuchungen spart zudem Zeit, sodass Patienten zeitnah in die Behandlung einsteigen

können.


Was sollte getan werden?

Häufig sind Schmerzen des unteren Rückens einfachen Zerrungen, Verspannungen und

Überlastungen geschuldet, die mit der Zeit von selbst besser werden. Die meisten Patienten

verspüren ein klares Abklingen der Symptome innerhalb der ersten 6 Wochen. In dieser Zeit

sollten Aktivität und Bewegung im Alltag an erster Stelle stehen. Es wird zudem geraten,

Trainingseinheiten zur Kräftigung und Rumpfstabilisation zu absolvieren. Von Seiten des

Behandlers sollte zudem eine klare Kommunikation hinsichtlich der Schmerzen erfolgen, um

Patienten etwaige Ängste zu nehmen und sie zu physischer Aktivität zu ermutigen.

Eine medikamentöse Behandlung ist rein symptomatisch und macht nur dann Sinn, wenn die

Schmerzen jemanden von der Ausübung solcher Aktivitäten abhalten.


Was sollte nicht getan werden?

Zunächst ist Inaktivität in Form einer Bettruhe nicht förderlich, da diese keinen Effekt hat oder die Dauer der Problematik sogar in die Länge ziehen kann. Des Weiteren sind aktive

Behandlungsansätze passiven vorzuziehen. Operative Maßnahmen bei unspezifischen

Schmerzen des unteren Rückens sind ebenfalls nicht indiziert.


Kein Grund zur Sorge

Schmerzen im Bereich des unteren Rückens können zwar nervig und einschränkend sein, sind in den meisten Fällen aber kein Grund zur Panik. Mit einem aktiven Lebensstil und ein paar Übungseinheiten sind die Symptome oft schnell wieder verschwunden.


Für die besonders Wissbegierigen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38693474/

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8630919/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29321099/

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33579691/

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